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Wie sieht Respekt zwischen Eheleuten aus? Was soll mit „gehorchen“ gemeint sein?


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Antwort: 

Liebe Leserin, lieber Leser,

zunächst muss man sagen, dass diese Frage zwei Kontexte hat. Einerseits geht es um die rechtlichen Aspekte, was genau sagt also das islamische Recht dazu. Andererseits geht es um der Frage auch vielleicht eher um moralische Vorstellungen und die Praxis im Alltag der Menschen. Wir wollen auf den zweiten Kontext eingehen und dahingehend die Frage im Sinne einer Moralvorstellung erörtern.

Wenn man sich auf den Islam berufen will und dabei ein Vorbild, sozusagen ein Praxisbeispiel sucht, dann muss man auf den ehrenwerten Propheten (s.a.s.) schauen. Wie sah also das Eheleben des Propheten (s.a.s.) aus?

Man findet in den Quellen heraus, dass der ehrenwerte Prophet (s.a.s.) stets mit Gerechtigkeit und Barmherzigkeit gehandelt hat, er hat aber als Ehemann auch Zuneigung und Zärtlichkeit gezeigt. Wenn man auf das Eheleben sowie die Ehefrauen des Propheten (s.a.s.) genauer schaut wird man auch merken, dass diese Frauen intelligent, mutig, zuverlässig und aktiv waren. Der ehrenwerte Prophet (s.a.s.) nahm sie und ihre Anliegen stets ernst und betraute sie auch mit Aufgaben.

Wenn also ein Mann denkt seine Frau wie ein Nutzgegenstand behandeln zu können, indem er sie emotional wie auch körperlich misshandelt und sich dabei auf den Islam berufen will, dann kann das nicht der Islam des Propheten (s.a.s.) sein.  Aus den Quellen geht so ein Verständnis nicht hervor.

Der Islam geht von Gleichwürdigkeit und nicht von Gleichschaltung aus. Männer und Frauen sind unterschiedlich und werden folglich im islamischen Recht in gewissen Situationen und Kontexten anders behandelt. Das macht aber keinen der beiden Geschlechter überlegen. Kein Mann ist in Gottes Rängen höher gestellt, nur weil er ein Mann ist. Die Frömmigkeit und der Glauben sind es die über den Rang des Dieners entscheiden. Alle Menschen sind jedoch Diener Gottes. Wir alle sind somit beauftragt nach Gottes Willen zu handeln. Gehorsam gilt also nur dem Schöpfer. Wenn der Schöpfer allerdings sagt, wir sollen unseren Eltern gegenüber nicht aufmüpfig sein, dann ist dies auch eine gottesdienstliche Handlung. Auch in zwischenmenschlichen Handlungen gelten also stets die Gebote und Verbote Gottes.

Wenn also die Frau dem Mann „gehorchen“ soll, dann ist das nicht so, weil der Mann Meister und die Frau Untertan ist. Vielmehr kennzeichnet das islamische Recht Rechte und Pflichten für beide Eheleute aus. Der Mann hat also der Frau gegenüber ebenso Rechte und Pflichten wie anders herum. Die Wahrnehmung dieser Rechte und Pflichten ist eine gottesdienstliche Handlung für beide Eheleute. Der Kern der Ehe ist also das Wohlwollen und der Willen Gottes.

Im islamischen Sinne ist die Ehe eine heilige Einheit. Aus ihr geht die Familie hervor. Die Familie ist die Wirbelsäule einer Gesellschaft. Hier werden die Gebote und Verbote der Religion am meisten und am intensivsten ausgelebt. Daher kommt es auch, dass die Bücher zur Rechtslehre das Eheleben sehr genau beschreiben. Daraus jedoch eine banale Liste zu machen und diese dann abzuarbeiten macht sicher keine gute Ehe aus und wird dieser heiligen Institution auch nicht würdig.

Eheleute haben einander mit Respekt und Würde zu behandeln. Es ist ihre Pflicht einander gut zu tun und für das Wohlbefinden des jeweils anderen zu sorgen. Sie müssen einander ernst nehmen und wie ein Team arbeiten. Sie müssen gemeinsam in diesseitigen und jenseitigen Angelegenheiten aufsteigen damit dann auch ihren Nachkommen ein Vorbild zu sein. Die Ehefrauen des Propheten (s.a.s.) wurden nie wie ein Stück Fleisch behandelt. Sie mussten auch nie in ihrer Persönlichkeitsentwicklungen zurückstecken. Im Gegenteil; In ihrer Ehe mit dem Propheten (s.a.s.) wurden sie zu aktiven und immens wertvollen Mitgliedern ihrer Gesellschaft. Sie haben sich entfaltet und ihre Verdienste für das Jenseits wurden unermesslich.    

 

Selam & Dua

Euer Fragenandenislam -T eam

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