Anasayfa | Iman

Warum sollen wir Gott dafür dankbar sein dass wir existieren?


YazdırEinem Freund senden
Kurze Beschreibung ihrer Frage: 
Wir haben Gott nicht darum gebeten dass er uns erschafft und Gott braucht uns ja auch nicht. Warum sollen wir also Gott dienen und dankbar sein?
Antwort: 

Liebe Leserin, lieber Leser

 

Die Frage nach dem „warum?“ veräußert sich nicht im Tierreich und auch nicht im Pflanzenreich. Diese Geschöpfe gehen ganz routiniert ihrem alltäglichen Geschäft nach. Mit dem Menschen verhält es sich ein wenig anders, denn das Denken und das Vermögen zur Reflexion des Menschen geht wesentlich weiter. Alle Lebewesen sind von Gott erschaffen, darin gleichen sie sich. Der Mensch unterscheidet sich aber offensichtlich von anderen Lebewesen. Dieser Unterschied liegt vor allem in den Anlagen die den Menschen mitgegeben werden. Alle Lebewesen sollen Gott dienen. Während Tiere und Pflanzen damit scheinbar kein Problem haben, ist dieser Anspruch für den Menschen nicht immer so einfach nachvollziehbar. Das zeigt uns dass es noch Besonderheiten in der Beziehung zwischen Schöpfer und Mensch gibt.

In der Tat braucht Gott seine Schöpfung nicht, der Schöpfer hat also von uns keinen Nutzen. Das würde seiner Perfektion und Vollkommenheit widersprechen. Das Verhältnis zwischen Schöpfer und Schöpfung ist also nicht vergleichbar mit einer nutzenorientierten Partnerschaft zweier Geschäftspartner. Eine Beziehung zwischen Meister und Diener würde eher passen. Der Meister hat die Befehlsgewalt und der Diener beugt sich dieser Befehlsgewalt. Dies zu verstehen ist wichtig, denn auf eine törichte Weise denkt der Mensch oftmals, dass sich alles seinem Verstand und seinem Vorstellungsvermögen anschmiegen muss, damit er es auch akzeptiert. Tatsächlich passieren aber tagtäglich und zu jeder Sekunde außergewöhnliche Dinge, die sich unserer sinnlichen Wahrnehmung gänzlich entziehen und unser beschränktes Gehirn kann die Spektakel, die sich im Universum ereignen nicht erfassen. Je tiefer die Physiker in das Universum blicken, desto hypothetischer werden ihre Aussagen. Den Menschen gelingt es also nicht einmal diverse Facetten der Schöpfung gänzlich zu begreifen, woher kommt also der Anspruch den Schöpfer selbst in all seinen Facetten begreifen zu wollen?

Die göttlichen Offenbarungen und die Propheten helfen uns dabei Gott besser kennenzulernen. Wir verstehen das Wesen Gottes insbesondere durch seine schöpferischen Eigenschaften. Im Islam sprechen wir auch gerne an der Stelle von den „Namen/Titel Gottes“. Wie in jeder Disziplin ist es auch hier so, dass das Leistungsvermögen der Menschen variiert. Die einen verstehen mehr und die einen weniger. Die Gebote und Verbote Gottes sind aber so offen und zugänglich, dass die Religion niemals etwa ein Zirkel der Experten, Eliten oder Gelehrten ist. Gott adressiert alle Geschöpfe auf eine Weise, die ihren Kapazitäten entspricht. In diesem Sinne ist kein Mensch durch seine Veranlagung dazu disqualifiziert, Gott und seinen Willen zu verstehen.

Dankbarkeit verstehen wir zweierlei. Wir verstehen Dankbarkeit als ein Akt, in dem man seinem Gegenüber für eine Geste eine Form von Zuneigung und Anerkennung darbietet. Es existiert also ein Bedürfnis sich dem erkenntlich zu zeigen, der einem etwas zum Wohl getan hat.

Was hat Gott uns getan, was eine Form der Zuneigung und Anerkennung wert wäre? Es fängt sicher damit an, dass Gott uns das Leben geschenkt hat. Für manch einen liegt das Argument nun nahe zu sagen, man habe sich das Leben doch gar nicht gewünscht. Trotzdem lieben wir scheinbar das Leben. Tagtäglich stehen wir aus dem Bett auf und greifen den Tag an, mit allem was wir haben. Für jemanden der das Leben vermeintlicherweise sowieso nicht wollte und dem das Leben nichts wert ist, ist dieses Verhalten nicht ganz angemessen. Selbst Menschen die Selbstmord begehen und denen es dann doch nicht gelingt, versuchen danach wieder Fuß im Leben zu fassen. Konsequent wäre es ja, wenn sie es solange versuchen bis es geschafft wäre. Selbst Menschen die sich als unglücklich beschreiben würden, halten also instinktiv am Leben fest und wollen sich nicht davon trennen. Was wäre jedoch die Alternative zum menschlichen Leben? Entweder eine andere Lebensform oder die komplette Nichtexistenz. Nun stellt sich die Frage, ob der Mensch denn sich bei einer Neuwahl für etwas anderes entscheiden würde, nachdem er die Vorzüge der Menschlichkeit gekostet hat. Wenn wir quasi eine zweite Chance erhalten würden und man uns anhand eines Katalogs fragen würde, welche Existenz wir im zweiten Anlauf haben wollen würden, wofür würden wir uns da entscheiden? Hund, Katze, Maus, Ameise, Bandwurm, Kleeblatt, Stein? Unser menschliches Dasein erscheint gegenüber diesen Alternativen irgendwie attraktiver, nicht zuletzt spricht man ja auch gerne vom Menschen als die Krone der Schöpfung, dem Ebenbild Gottes, oder die Spitze der Nahrungskette. Mit dem Leben alleine endet die Zuwendung Gottes aber lange nicht. Gott hat uns auch mit unserer Erde einen äußerst fruchtbaren und schönen Planeten geschenkt. Die Dinge hätten sich auch so zutragen können, dass unsere Erde äußerst lebensfeindlich und bedrohlich sein könnte. Nur weil wir tagtäglich etwas erleben, heißt das noch lange nicht, dass es der simple Standard ist. Nichts ist selbstverständlich und alles ist vergänglich. Unser Planet ist voller Leben und unerschöpfter Schätze. Nach Jahren des intensiven Suchens finden Menschen immer noch gänzlich unentdeckte Dinge in unserem Planeten die für Faszination sorgen. Gott hat uns Sinne und einen Körper gegeben, der sich nahezu perfekt an alle Zwecke anpasst und unsere Sinne nehmen angenehmerweise immer genau das wahr, was der Körper ertragen kann. Stelle man sich vor, man könnte jedes Atom sehen und die Interaktion aller möglichen Wellen und Frequenzen in der Luft, so stünde unser Gehirn quasi täglich vor einer Zerreißprobe. Gott schenkt uns auch Emotionen wie Liebe, Hoffnung und Glück. Gott erlaubt es auch dass wir dies mit Freunden und Familie teilen. Es sollte klar geworden sein, dass Gott uns viel gegeben hat, wodurch ein Akt der Demonstration von Dankbarkeit angemessen erscheinen sollte. Jeder findet in seiner Biographie sicher Dinge oder Erinnerungen, die ihn mit Glück erfüllen und die irgendwie unverdient erscheinen. Wir behaupten nicht dass jeder ein perfekt idyllisches und harmonisches Leben lebt, aber wir sind uns sicher, dass jeder etwas im Leben hat, was einen Ausdruck der Dankbarkeit nahelegt. Was wäre eine angemessene Art Dankbarkeit zu zeigen? Das Befolgen von Geboten und Verboten ist an der Stelle auch eine klare Handlungsanweisung. Das heißt z.B. das Befolgen des Gebets wäre gleichzeitig die Erfüllung der Pflicht und Ausdruck von Dankbarkeit in diesem Sinne. Sicher könnte man noch viel schreiben, zu den Weisheiten und dem Nutzen der Gebote und Verbote für das menschliche Leben. Zum Ramadan gibt es z.B. viele Artikel die vom Nutzen des Fastens sprechen. Es geht hier aber lediglich das Verhältnis von Danksagung zu Geschenkt darzustellen. Das Gebet ist bei voller Ausführung und (großzügig) zusammengerechnet ungefähr des Äquivalent einer Zeitstunde im jeweiligen Tag. Vergleichbar mit 5 Raucherpausen, 5 etwas längeren Youtube-Videos oder 5 mal kurz Gassi-Gehen. In Relation zu dem was Gott uns tagtäglich schenkt ist dieser „Aufwand“, wenn man das überhaupt Aufwand nennen darf, verschwindend gering. Sich darüber zu beschweren, wäre vergleichbar mit jemanden der sich in Wut und Rage auflöst, weil jemand ihm ein Kaffee spendiert und dafür ein kurzes „Danke“ hören wollte. Selbst die kleinsten sozialen Interaktionen erzeugen beim Gebenden die Erwartung, dass der Genießende sich irgendwie erkenntlich zeigt, wenn es auch nur ein kurzes „Danke“ ist. Im Hinblick darauf erscheint es für uns einfach wunderlich, wenn jemand diskutieren will, warum man sich Gott gegenüber erkenntlich zeigen muss.          

Der zweite Aspekt unseres Verständnisses von Dankbarkeit hat viel mit Haltung zu tun. Wir verstehen Dankbarkeit auch als eine Form der Haltung. Damit der Mensch sich überhaupt erkenntlich zeigen kann und will, müssen gewisse Grundwerte verinnerlicht sein und gelebt werden. Wenn der Mensch sich selbst im Mittelpunkt des Universums sieht und denkt, dass sich alles um ihn herum dreht, dann wird er selbstverständlich auch gar nicht daran denken, dass jemand ihm in irgendeiner Weise helfen könnte. Wie ein Pharao wird er sich quasi zum Gott deklarieren und völlig realitätsfremd gegenüber dem Leben sein. Im Alltag haben wir zwar weniger Pharaonen unter uns aber Ähnliches können wir im kleineren Rahmen beobachten, wenn es um Jugendliche geht, die plötzlich gewisse Regeln und Werte nicht mehr nachvollziehen können, weil sie ihnen ja nichts bringen und keinen Spaß machen. Regeln funktionieren nur mit einem Grad an Unterwerfung. Man fügt sich den Regeln ohne jedes Mal diese zu hinterfragen oder in Diskussion zu stellen. Das heißt sicher nicht, dass der Mensch sich einfach blind unterwerfen muss oder soll. Innerhalb Momenten sozialer Interaktion wird es aber dazu kommen, dass gewisse Regeln in Kraft treten, die befolgt werden müssen, damit die soziale Interaktion gewahrt werden kann. Wenn der Verkehr eine soziale Interaktion ist, dann dient die Regel, bei der roten Ampel zu halten, der Wahrung der Sicherheit des Verkehrs. Die Regel hat nicht den Zweck mich auf persönlicher Ebene anzugreifen oder mich zu reizen. Sie gilt für uns alle und sorgt für ein Miteinander. In dem Beispiel würde ich mich und auch andere gefährden, wenn ich die Regel einfach ignorieren und losfahren würde. Es geht aber an der Stelle mehr darum, sich im sozialen Gefüge einzufinden. Wenn man dies nicht tut und so handelt wie man gerade Lust hat, folgen in der Regel Konsequenzen. Beim Beispiel mit der roten Ampel, müsste man mit einer polizeilichen Verwarnung und einer Geldstrafe rechnen. Am Anfang des Artikels sprachen wir über das Beziehungsmuster zwischen Gott und Mensch und haben dies mit der Beziehung von Meister und Diener gleichgesetzt. Der Meister setzt also die Regeln und der Diener fügt sich. Wir haben nämlich keine schöpferischen Qualitäten und wir sind auch nicht in der Positionen, Forderungen zu stellen. Unser Gegenüber ist nicht unser Geschäftspartner, der einen Grad von Abhängigkeit zu uns hat. Wenn dem so wäre, könnte man die Bedingungen mitgestalten. Wir sind aber vollends abhängig von unserem Schöpfer und können die Dinge, die unser Leben ausmachen bzw. erst ermöglichen wie Luft und Wasser, nicht selber in die Welt holen. Wir sind also grundlegend ohnmächtig und bedürftig. Im Grunde genommen ist jeder Moment unseres Lebens von der Gnade und Barmherzigkeit Gottes durchtränkt. Warum fällt es uns als Menschen aber manchmal oder öfter schwer, so zu fühlen und zu denken? Die Antwort liegt in der hedonistischen Triebhaftigkeit des Menschen, dem „inneren Schweinehund“. Dem inneren Schweinehund die Hand zu geben gleicht in einen Güterzug einzusteigen, der bei voller Geschwindigkeit fährt und das ohne Bremsen oder Fahrer. Dieser Zug wird von alleine nicht halten, sicher nicht mit sich reden lassen und solange rasen, bis er entweder an ein unbewegliches Hindernis prallt oder entgleist und fahrunfähig wird. In beiden Fällen hat es eine fatale Kollision zum Ergebnis. Der innere Schweinehund kennt keine Kompromisse, Moderation oder Rationalität. Wenn man dem inneren Schweinehund fragen würde, jetzt 1000€ zu kriegen oder sich eine Woche zu gedulden um dann aber 10.000€ zu bekommen, wird der innere Schweinehund die sofortige Belohnung wählen. Ähnlich wie der Teufel kennt der triebgesteuerte Mensch nur eine Richtung: Konsum und Lust. Auch der Teufel würde niemals Einsicht zeigen und von seinem Irrweg abkommen, egal wie überzeugend man gegen ihn argumentieren würde. Gefühle und Triebe wirken meistens intensiver als rationale Argumente. Eine Triebhaftigkeit in diesem Sinne erdrückt eben auch alles an Werten und Normen die eine tiefe Dankbarkeit im religiösen Kontext ermöglichen. Denn der Teufel bildet die Opposition zu Gott. Die lasterhaften Triebe des Menschen folgen eher den teuflischen Einflüsterungen als der Stimme der Vernunft und der Tugend. Wenn man es also schafft, sich davon zu lösen oder Distanz zu diesen lasterhaften Zügen seines Daseins zu wahren, gelingt es uns auch besser unseren Platz im Universum zu sehen und zu sehen welche Bezüge und welche Beziehung wir zu unserem Schöpfer haben. Das erlaubt es uns auch erst zu sehen, wofür wir alles dankbar sein können.    

 

Selam & Dua

Fragenandenislam - Team

 

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