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Ist Mode mit der Bedeckung vereinbar?


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Kurze Beschreibung ihrer Frage: 
Für muslimische und insbesondere junge Frauen mit Bedeckung gibt es mittlerweile vielfältige Kleidung und man versucht sozusagen zeitgemäß und gut auszusehen. Daraus ist mittlerweile eine ganze Industrie geworden mit Werbungen und alles. Kann man denn islamisch gesehen sowas überhaupt gut finden und junge Muslima dazu animieren die Bedeckung und "stylische" Mode zusammen zu denken oder ihnen so vielleicht sogar die Bedeckung schmackhaft machen?
Antwort: 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Bedeckung bzw. der ḥiǧāb ist eine seit jeher uns Menschen begleitende Notwendigkeit, ein Segen und ein Gottesdienst. Dass Hz. Ādam und Hz. Ḥawwā von der verbotenen Frucht aßen und in Folge dessen sie ihre gegenseiten Schamzonen bemerkt hatten und diese versuchten mit den Blättern im Paradies zu verdecken, kann man auch als ein Hinweis auf die Beziehung zwischen dem Verbotenem und dem Entblößen verstehen.

Die koranischen Begriffe sind im Bezug auf die Gebote und Verbote in der Kleidung vielfältig. Diese Verschiedenheit weist darauf hin, dass die Kleidung viele verschiedene Zwecke erfüllen kann oder soll.

Das Wort "tesettür" welches türkischstämmige Muslime im Alltag üblicherweise für die Bedeckung der Frau benutzen, kommt so im Qurʾān nicht vor. Das Wort ḥiǧāb kommt jedoch vor. Daher kann es durchaus sein, dass in verschiedenen kulturellen Kreisen die Muslime anders mit den Begriflichkeiten umgehen.

Wir könnten sagen, dies sind die grundlegendsten Funktionen der Bekleidung;

- Die Schamzonen oder das von Gott uns Anvertraute zu schützen und vor anderen zu hüten.

- Sich ausreichend vor dem Klima zu schützen.

- Den Anstand, die Reinheit bzw. auch die Keuschheit und die muslimische Identität den anderen aufzuzeigen und sich damit zu schmücken. 

Dies sind alles Handlungen die von Gott als Segen deklariert sind und von denen ein Teil der Mensch auf ganz natürliche Weise vollzieht oder vollziehen will.

Diese beiden Funktionen sind für die Verhüllung insbesondere wichtig: Die Bedeckung der Schamzonen und das Vermitteln der Anstand sowie der muslimischen Identität gegenüber anderen.

Aus dem koranischen Ausdruck "dass sie erkannt und so nicht belästigt werden" (vgl. 33/59) könnte man dies entnehmen. Daraus resultiert auch die Bedeutung, dass ob Mann oder Frau, man die sexuelle Anziehungskraft nicht gegenüber anderen zur Schau stellen darf und man nicht das Recht hat die Blicke anderer auf sich zu ziehen um ihnen zu gefallen.

Von einem koranischen absoluten Verbot der Verzierung insbesondere der Frau kann nicht die Rede sein. Die Verzierung ist insbesondere auch ein Gefül oder ein Bedürfnis, welches in der Natur der Frau verankert ist. Es kommt (im Islam) nicht vor, dass etwas gänzlich und absolut verboten wird, obwohl es irgendwo seinen Platz in der menschlichen Natur hat bzw. für den Menschen natürlich ist.

Die Verzierung bzw. das Schmücken ist also das natürliche Recht der Frau. Die Bedeckung hingegen ist als Mittel zur Verhüllung und Wahrung dieser Schmückung gegenüber anderen eine Aufgabe und ein Gottesdienst für die Frau. Das Band zwischen Ehemann und Ehefrau ist also ein besonderes Band und die Rechtsbestimmungen fallen hier anders aus. Gegenüber dem Ehemann und ihren vertrauten vier Wänden darf die Frau sich selbstverständig schmücken und dergleichen. Die Bedeckung wahrt eben die Würde und Heiligkeit dieses besonderen Bandes zwischen Ehemann und Ehefrau. Die Betonung liegt somit nicht primär auf eine Art der Restriktion, sondern eher auf eine Wahrung gewisser elemanter Werte und Ordnungen innerhalb der Gesellschaft. Die Privatsphäre der Eheleute ist dahingegen der Raum, in denen sich Mann und Frau auf eine gehütete und von Gott erlaubte Weise entfalten können. Aufgrund dessen könnte es kontradiktorisch sein, wenn an der Kleidung selbst, die ja zur Bedeckung dienen soll, sich Verzierungen befinden. Die ursprüngliche Funktion der Kleidung könnte damit gefährdet werden und in diesem Sinne könnte es schwierig werden die Begriffe bzw. Bedeutungen von "ḥiǧāb” und “Mode” verbinden zu wollen. Eigentlich gilt die allererste Bedeckung mit Blättern im Paradies sowohl für Hz. Ādam, als auch für Hz. Ḥawwā. Aber wenn wir heutzutage von Bedeckung und dergleichen sprechen, denken wir eigentlich nur noch an die Frau. Selbstverständlich betrifft dieses Gebot auch den Mann und auch für den Mann gibt es gewisses Maß der Bedeckung an dem er sich halten muss. 

Diese Entwicklung bzw. diese Wahrnehmung könnte auch damit zusammenhängen, dass allgemein die Frau im Vergleich zum Mann stärker sexuell reizend wirkt und daher in den Fokus der Blicke rückt. Man könnte auch dafür plädieren, dass der Wunsch nach Schmückung und Verzierung des äußeren Erscheinungsbildes beim Mann weniger prominent ist, als bei der Frau. Zwar gibt es sicherlich Außnahmen solcher Regeln, aber die Gebote und Verbote im Islam gehen von der Natürlichkeit und der Allgemeinheit der Menschen aus und nicht von Einzelfall zu Einzelfall. In diesem Sinne gibt es auch Bücher der Rechtslehre/ der Rechtsschulen in denen die grundlegenden Fragen geklärt werden und das Individuum daraus das nötige Wissen für seine Situation entnehmen kann.

In der islamischen Tradition wird weniger von der Form der Bedeckung gesprochenn, eher werden die Besonderheiten/Attribute erwähnt, die eine Frau haben sollte. Man könnte sagen die Mehrheit der Gelehrten ist sich in dieser Thematik in den folgenden Punkten einig geworden:

Die Kleidung muss den gesamten Körper der Frau bedecken – mit der hanafitischen Ausnahme, wo das Gesicht und die Hände nicht bedeckt werden müssen.

Die äußerliche Bekleidung darf nicht als Mittel dienen um sich zur Schau zu stellen und zu verzieren.

Die Kleidung darf nicht so eng oder transparent sein, dass die Züge und Kurven des Körpers erkannt werden können.

Man darf den besonderen/markanten/auszeichnenden Kleidern der Nichtmuslime nicht nacheifern oder ihnen ähneln.

Die Kleidung der Frau soll nicht der Kleidung der Männer ähneln.

Die Frau darf keine betörenden und attraktiv wirkenden Düfte auftragen in Umgebungen, wo fremde Männer sich aufhalten. 

Man darf keine Kleider für die Sucht nach Ruhm oder festliche "Bühnenkleider" anziehen.

Tabarruǧ: Dieser Begriff beschreibt jegliche Bemühung sich für Fremde attraktiv zu machen und die (lüsternen) Blicke fremder auf sich zu ziehen

Bühnenkleider: Dies ist als eine Übersetzung aus dem entsprechenden Begriff aus einer Überlieferung zu verstehen: Der Prophet (s.a.s.) hat es für Mann und Frau verboten besonders luxuriöse und auffällige Kleider anzuziehen, die etwa funkelnde Applikationen haben oder im besonderen Maße schillernd sind. Die Kleidung der Künstler auf den Bühnen und dergleichen würde hier am ehesten als Vergleich dienen. 

Die Frage spitzt sich nun darauf zu ob unter Berücksichtigung all dieser Punkte man immernoch die Bedeckung und ein Verständnis von Mode zusammenbringen kann.

Wir können uns vergegenwärtigen in welchem Maß dies möglich oder unmöglich ist, wenn wir uns vor Augen führen, was die allgemeinen Bedingungen für die Bedeckung sind und was die wesentlichen Besonderheiten sind, die sich hinter dem Begriff "Mode" oftmals verbergen.

Die Essenz der Bedeckung ist es, dass Fremde einen nicht angucken und man dies eben auch nicht zulässt bzw. zulassen will. Mit anderen Worten sagt die bedeckte Frau zu den fremden Männern mit ihrer Haltung "Wende deinen Blick von mir ab!". Der Ausdruck von Mode ist jedoch das Gegenteil, Mode sagt zumeist "schau mich an". Innerhalb der Bedeckung ist es wie schon erwähnt, verboten, sich für die Blicke Fremder zu bemühen, der Begriff "Tabarruǧ" beschreibt dies. Der Zweck von dem was wir häufig unter "Mode" verstehen ist jedoch genau das. 

Die Bedeckung ist eine ehrenvolle Tradition im Islam die ihren Anfang bei Hz. Ādam und Hz. Ḥawwā im Paradies hat. Mode ist jedoch ein relativ junger, sich ständig wandelnder und sich häufig verleugnender Begriff. In der Mode werden die Paradigmen häufig neu aufgestellt und das Frühere wird einfach vertan.

Die Sucht und das Eifern nach Ruhm, Auffälligkeit und Prominez ist etwas Ungewolltes in der Bedeckung. Es gibt genügend prophetische Überlieferungen in denen solch ein Verhalten verdammt wird.

Die Bedeckung ist auch eine Weiterführung eines Denkens und eines Bedürfnisses, nachdem die Verschwendung verboten ist. Mode hingegen ist im Kern verschwenderisch und muss es auch sein, damit es sich ständig un vielvältig neu produzieren kann. 

Die Bedeckung ist ein Symbol für Persönlichkeit, Identität und Zugehörigkeit. Mode hingegen ist ein Produkt des Nacheiferns und Übernehmens.

Das Wesentliche bei der Bedeckung ist die Spiritualität, die Bedeckung ist ein Gottesdienst. Der Gottesdienst ist die Essenz und der Zweck der menschlichen Existenz. Mode fußt jedoch gänzlich auf weltlichen Dingen und zielt auf die Zuschaustellung und den Ruhm ab. 

Was mit dem Begriff Mode verbunden wird, führt zwangsläufig dazu, dass die Frau, zu denen islamisch gesehen quasi gesagt wird "euer Hauptquartier soll euer Zuhause sein", sich nun prunkvoll zeigen wollen. Obwohl sie dies für ihr aktives und soziales Leben nicht nötig hätten bzw. ihnen dieses Verhalten nichts außergewöhnlichs bringt, was sie auch sonst mit Eifer und ehrlicher Arbeit nicht hätten erreichen können, werden sie trotzdem mehr und mehr ihr Verhalten für die "Mode" zu Ungunsten ihrer Spiritualität verändern. Mode funktioniert schließlich überwiegend in einem Setting in den weltliche und dekadente Werte dominant sind. Dass allmählig Modeveranstaltungen, Marken und Produktionen auftauchen in denen von "zeitgemäßen", "stilistisch ansprechenden" oder gar "attraktiven" Kleidern für die Bedeckung der muslimisch frommen Frau gesprochen wird und zu diesem Zweck Models mit dieser Bekleidung auf Laufstegen oder auf großen Werbeplakaten zur Schau gestellt werden, ist ein Anzeichen für solche Entwicklungen.  

Aus all diesen Gründen scheint es keine Möglichkeit zu geben, die beiden Begriffe "Bedeckung"/"ḥiǧāb” und “Mode” sinnvoll miteinander zu verbinden. Denn im Kern haben sie Ziele und Zwecke die sich einfach komplett gegenüber stehen. Es ist aber sicherlich auch eine gewisse Notwendigkeit die muslimische Tradtition bezüglich solcher konkreten Fragestellungen zu beachten, damit man mit seiner Kleiderwahl nicht unnötig auffällt und sich abspaltet, sofern man mit reinem Gewissen sagen kann, diese vorliegende Tradtion ist rechtgeleitet. Der Begriff “Tradition” hat nämlich seinen Platz in der Rechtslehre und nicht alles was die Menschen einfach tun, kann als “Tradition” bezeichnet werden, auch wenn die Menschen dies gerne so handhaben. Denn Tradition hat seinen Ursprung in der Religion und den Geboten und Verboten Gottes und nicht in dem unbegründeten Gutdünken beliebiger Personen.

 

Selam & Dua 

Fragenandenislam - Team

 

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