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Warum lässt Allah auch Unschuldige leiden?


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Unglück oder ein Schicksalsschlag ist für die Gläubigen die Antwort für ihre Fehltritte im Diesseits. Allerdings können in solchen Momenten und Ereignissen auch Unschuldige und Leute ohne solche Fehltritte Schaden nehmen und ihr Hab und Gut kann verloren gehen.

Und hütet euch vor einer Versuchung, die nicht nur besonders diejenigen von euch treffen wird, die Unrecht taten. Und wisset, daß Allah streng im Bestrafen ist! (8/25)

Die Frage im Raum ist dann warum auch diese Menschen betroffen sind. Warum wird der, der sozusagen „nur daneben stand“ ebenso von der Strafe getroffen.

Die Frage berücksichtigt einen ganz wesentlichen Aspekt des Lebens im Diesseits nicht. Diese Welt und unser Leben darin ist eine Prüfung. Das Jenseits liegt solange man noch atmet im Verborgenen. Wenn also ein Unheil immer nur die Übeltäter treffen würde und es den Unschuldigen immer gut gehen würde, dann könnte man auch nicht mehr von einer Prüfung sprechen. Dann wäre für alle nämlich – völlig unabhängig vom Glauben – die Prüfung und das Ergebnis aufgelöst. Das wäre vergleichbar mit einem Lehrer, der seinen Schülern eine Klausur und die richtigen Lösungen zu den einzelnen Fragen zusammen aushändigt. So kann man nicht herausfinden, welcher Schüler gelernt hat und welcher nicht.

Zu diesem Thema hat „Bediüzzaman“ Said Nursi in seinem Werk eine Abhandlung. Wir bilden hier einen Teil ab (Anhang zum 14.Wort):

„»Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. wenn die Erde erschüttert wird und ihre Lasten von sich gibt, und der Mensch sagt: Was ist los mit ihr? An jenem Tage wird sie aussagen, was sie zu berichten hat, weil dein Herr es ihr so eingegeben hat...« (Sure 99, 1-5)

Diese Sure bringt mit Sicherheit zum Ausdruck, dass die Erde in ihrer Bewegung und wenn sie bebt, Offenbarungen und Eingebungen erhält, und dass sie durch einen Befehl erschüttert wird. Manchmal erzittert sie unter ihm.

Bezüglich des letzten Erdbebens sind mir von einer geistigen und wichtigen Seite sechs, sieben Fragen gestellt worden und die Antworten darauf mir gleichfalls innerlich in Form einer Ermahnung gekommen. Ich hatte oftmals die Absicht gefasst, ausführlich darüber zu schreiben. Doch wurde mir dazu nicht die Erlaubnis gegeben. Deshalb sei hier nur eine kurze und bündige Zusammenfassung wiedergegeben.

Erste Frage: Woher kommt es, dass bei diesen großen Beben zu dem materiellen Unglück noch der Schmerz, als ein inneres Unglück in Form einer Furcht vor einem erneuten Beben und die Verzweiflung, die den meisten Leuten in diesen Ländern die Nachtruhe raubt, als eine fürchterliche Qual hinzugegeben wird?

Dazu wiederum die innere Antwort, die folgendermaßen spricht: Wenn im heiligen Monat Ramadan, während des Teravih-Gebetes * im Rausch der Freude und Ausgelassenheit Gesänge voller Leidenschaft und manchmal die Stimmen der Mädchen in diesem gesegneten Zentrum des Islam in jeder Ecke aus dem Radio locken und überall zu Gehör gebracht werden, so hat dies die Strafe der Furcht zur Folge.

Zweite Frage: Warum kommen in den Ländern der Ungläubigen diese Schläge von oben nicht auf deren Häupter herunter? Warum kommen sie über die bedauernswerten Muslime?

Antwort: Während man schwere Vergehen und Verbrechen einer späteren Verhandlung überlässt in den großen Kreisstädten, die kleinen Vergehen aber in den kleinen Städten sofort verhandelt, so liegt auch eine bedeutende Weisheit darin, dass der größte Teil der Verbrechen der Leute des Unglaubens dem großen Gericht bei der Wiederversammlung überlassen wird, die Fehler der Leute des Glaubens aber zum Teil schon in dieser Welt bestraft werden. *

Dritte Frage: Was ist der Grund dafür, dass sich dieses Unglück bis zu einem gewissen Grade über ein ganzes, großes Gebiet verbreitet hat, während es doch die Schuld nur einiger weniger war?

Antwort: In Anbetracht dessen, dass ein allgemeines Unglück aus den Fehlern der Mehrheit erwächst, weil die meisten Menschen an den Handlungen der Übeltäter entweder durch Mittun oder durch Begünstigung oder durch Stillschweigen Anteil genommen haben, verursachen sie ein allgemeines Unglück.

Vierte Frage: Betrachtet man diese Katastrophe als eine Folge der begangenen Fehler und eine Buße für die Sünden, aus welchem Grund sind dann die Unschuldigen nicht verschont worden? Wie kann die Gerechtigkeit Gottes so etwas zulassen?

Dazu wiederum die innere Antwort: Da dieses Problem sich auf das Geheimnis der Vorausschau Gottes bezieht, verweisen wir auf die Abhandlung über die Vorausschau Gottes. Hier soll dazu nur so viel gesagt sein: »Und hütet euch vor einem Übel, das nicht ausschließlich die Frevler unter euch trifft.« (Sure 8, 25)

Das heißt: »Nehmt euch in Acht vor einer Katastrophe, die nicht auf die Frevler beschränkt bleiben wird, sobald das Unglück einmal da ist, sondern auch die Unschuldigen nicht verschont.« Das Geheimnis dieses Qur´an-verses ist folgendes:

Diese Welt ist ein Ort der Erfahrung und Prüfung, ein Haus der gesellschaftlichen Forderungen und der sozialen Bemühungen. Prüfungen und Erfordernisse aber machen es notwendig, dass die Realität verschleiert bleibt, sodass Persönlichkeiten wie Abu Baqr durch Wettbewerb und Anstrengung zur höchsten Höhe emporsteigen und solche von der Art eines Abu Djehil in die tiefste Erniedrigung hinabsinken. Blieben die Unschuldigen in solchen Katastrophen unversehrt, so würden sich Leute wie Abu Djehil denen wie Abu Baqr gleich auf Gott verlassen, das Tor der Bemühungen und des geistigen Fortschritts bliebe verschlossen und der Sinn der Prüfung wäre verfehlt.

So erfordert es denn die Weisheit Gottes, dass die Unschuldigen zusammen mit den Frevlern ins Unglück stürzen. Was aber ist dann in Anbetracht Seiner Barmherzigkeit und Gerechtigkeit der Anteil dieser armen Unschuldigen?

Auf diese Frage wurde mir folgende Antwort gegeben: Diejenigen, die unter den Zorn und die Wut dieses Übels geraten sind, empfangen auch ein Aufscheinen der Barmherzigkeit. Denn so wie die vergänglichen Güter dieser Unschuldigen für sie zu einer Spende und so zu einem ewigen Gut werden, so gewinnen sie auch durch eine Art Märtyrertum anstelle ihres vergänglichen Lebens ein ewiges Leben. Dieses Erdbeben, dessen Zorn nur vorübergehend und verhältnismäßig klein ist, sie aber dabei einen großen und immerwährenden Gewinn erwerben lässt, ist für sie zugleich mit dem Zorn auch eine Barmherzigkeit. (…)“

Ein Unheil vereinnahmt als Teil der Prüfung im Diesseits also alle ein, ob gut oder schlecht. Somit bleibt auch die Prüfung echt. Ansonsten würden die Menschen den Glauben nur vorheucheln um sozusagen auf der Seite der Gewinner zu sein. Sie würden also aus Profit heraus handeln.

Die Unschuldigen, die von einem Unheil getroffen werden, erhalten damit jedoch große Belohnungen. Ihre kleineren Fehltritte und Sünden werden getilgt, sie steigen im Rang auf und erlangen somit Gnadengaben, die sie sonst niemals erlangen würden. Wir sehen also, dass Allah stets mit Barmherzigkeit und Weisheit entscheidet. 

 

Selam & Dua

Euer Fragenandenislam - Team